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Nachdenken

„Sit er öpper oder nähmed’er Lohn?“

(Sind sie jemand oder nehmen sie Lohn?)

Coaching als Situation der Besinnung auf Identität und ihr entsprechender Rollenflexibilität

Die Frage trifft – die einen ins Herz ihres Ehrgeizes, die anderen ins Schwarze ihres unsicheren Selbstbewusstseins. Gestellt hat die Frage der schmunzelnden Überlieferung nach Mme de Meuron, eine Repräsentantin aristokratischer Schicht, die sich selbst unter Druck sah durch die Standes-Rechte nivellierenden Auswirkungen der industriellen Revolution. Ein Druck, der sich heute durch Automatisierung und von Big-Data-Algorithmen gesteuerten Entscheidungen ebenso verallgemeinert hat, wie damals die Auflösung ständischer Vorrechte. “Die grossartige Idee der Menschenrechte wird in unserer algorithmischen Ära zunichte gemacht.“ (Jaron Lanier, 2014)

Mme de Meuron hat durch diese Frage also einen potentiellen Coachee von heute vorweggenommen, der sich besinnen muss auf seine Identität und seine Verhaltensmöglichkeiten. Wer bin ich, wie und wo verorte ich mich in dem gesellschaftlich-wirtschaftlichen Geflecht? Was hätte ich antworten, wie mich verhalten können?

Implizit gibt die Frage ja vor, dass es so etwas gäbe wie einen Status, der dem allgemeinen Kampf eines jeden gegen jeden um gegenseitige Anerkennung enthoben sei. Damals war klar, dass dieser Status einem allein durch Erbgänge zukommen kann. Heute spiegelt die ubiquitäre Verfügbarkeit von Statussymbolen vor, dass der Status allen offen stünde.

Damit wissen wir uns im Coaching zunehmend mit grundsätzlichen Sinnfragen konfrontiert. Die Veränderungen hinsichtlich des Arbeits-Begriffs und die globalen Bedrohungsszenarien sind hinreichend aufgelistet worden als „die Big 5: Die Überwindung absoluter Armut, die Reduktion sozial-ökonomischer Polarisierung, die Verhinderung von zunehmendem Habitats- und Biodiversitäts-Verlust, die globale Erwärmung (2 Grad- Ziel) sowie die Frage der Energie- und Wasserversorgung für 7-8 Mrd Menschen.“ (Brunnhuber, 2014)
Was kann ein Coaching in dieser Lage leisten? Wird es Coachees nur begleiten zu Anpassungsleistungen? Die Skala, die dazu zur Verfügung stünde, bewegt sich zwischen:
a) sich zufrieden geben mit dem Erreichten und hoffen, dass es noch eine Weile hinhält und
b) mehr und besser leisten, um den Zustand des ich-bin-jemand zu erreichen.
Die Grundstruktur dieser Skala ist bestimmt durch die Ordnung und Dynamik des aktuellen globalen Wirtschaftens: „Perform or perish“, leiste oder gehe unter. Richard Sennett, Axel Honneth und Alain Ehrenberg haben das Bild einer durch einen dynamisch-aggressiven Gesellschaft gezeichnet, in der der Einzelne zunehmend unter Druck gerät. Gefordert sei unverminderte Leistungsfähigkeit und wer sie nicht (mehr) zu erbringen fähig ist, habe keinen Platz mehr. (Urs Hafner, 2014)

In dieser Coaching-Situation stellt sich also vorerst die Frage: Geht es um Emanzipation oder Adaption, um Stabilisierung oder Veränderung der eigenen Identität und des eigenen Verhaltens? Die vier Pole dieser Lage lassen sich letztlich auf die von Fritz Riemann beschriebenen Grundängste zurückführen. (Fritz Riemann, 1961), welche als fundamentale Orientierung jedem Coach vertraut sind. Wenn jedoch der Kontext des aktuellen globalen Wirtschaftens mit seinen bedrohlichen Auswirkungen in Ökologie, Ökonomie und Migration mit einbezogen wird, erhält das hier beschriebene Gefragtsein nach Identität und Rollenflexibilität (Verhalten) andere Akzente als „nur“ die Bewältigung von Grundängsten.

Coaching in der Realität der globalen Herausforderungen und mit dem Respekt vor der Interdependenz von allem

Zunächst gilt es das globale Wirtschaftssystem nicht grundsätzlich zu diskreditieren. Als globaler Prozess zur Deckung des Bedarfs an Gütern und Dienstleistungen zum Zweck der Wohlfahrt der Menschheit hat Wirtschaft zum einen keinen reinen Selbstzweck und ist zum anderen von grösster Bedeutung für die Lebensqualität und die Erhaltung der Lebensgrundlagen. (Lisa Tomaschek-Habrina, 2014) Die Wachsamkeit muss heute jedoch darauf gerichtet sein, ob wir als wirtschaftliche Akteure uns nur Wohlfahrt für alle auf die Fahne schreiben, aber die Bezogenheit zur komplexen Verbundenheit von allem ausblenden im Interesse von Gewinnen und Maximieren.

Der Unterschied, um den es dabei geht, ist nicht bloss ein gradueller, sondern grundsätzlich mit der Auffassung von Leben verknüpft. Wo die Interdependenz allen Lebens nicht anerkannt und in die eigenen Überlegungen und Entscheidungen einbezogen wird, werden nicht nur die Ressourcen dieses Planeten zerstört, sondern auch die Möglichkeiten zu neuen Lösungen vertan. Konkurrenz verhindert den kreativen Austausch, der Identität stetig generiert und Verhaltensvielfalt fördert. Denn eigentlich gegeben ist eine riesige „lebendige Landschaft von Beziehungsfeldern, die wir uns wie einen beweglichen Flickenteppich vorstellen können“, die Anordnung verändert sich ständig. „Kein Einzelsystem kann beziehungslos neben allen anderen Systemen dahinleben und darauf hoffen, auch in Zukunft Bestand zu haben. Auch dann nicht, wenn es irgendwann einmal ein besonderes schönes oder besonders passendes Muster gefunden hat, das wirklich erhaltenswert schien.“ (Natalie Knapp, 2013)

Die Auswirkung dieses Unterschieds lässt sich in einem einfachen Spiel darstellen: Gegeben sind zwei je halbierte Gruppen, von denen je die eine Hälfte Spitzer (Technologie) und die andere Hälfte ungespitzte Bleistifte (Rohstoffe) erhält. Zwischen den Parteien liegt ein Blatt Papier als Vollzugsfeld ihrer wirtschaftlichen Beziehungen, die zur Wohlfahrt aller dienen sollen. Der einen Gruppe wird als Anweisung gesagt: „Ihre Mittel sind alles, was sie haben. Bringen Sie diese so in Wirkung, dass auf dem Papier der Satz geschrieben steht: „Wir leben gut“.“ Der anderen Gruppe wird als Anweisung gesagt: „Ihre Mittel sind alles, was sie haben. Die Teilgruppe, die zuerst auf das Papier schreiben kann: „Wir leben gut“, hat gewonnen. Bringen Sie ihre Mittel zur Wirkung.“ Dass die zweite Gruppe wesentlich länger verhandelt und komplizierte Verfahren ausdenkt, um wenigstens einen Sekundenbruchteil Vorsprung für die eine Hälfte zu bewirken, ist leicht zu überprüfende Tatsache. Die erste Gruppe dagegen ist eher verblüfft über die Einfachheit der Aufgabe und fragen sogleich nach der Fortsetzung. Im Grunde haben sie bereits den Einstieg in ein völlig anderes Beziehungsmodell geschafft (s.u. unendliches Spiel).
Neuere Darstellungen der Geschichte des Kapitalismus monieren zu Recht, dass dessen Ursprünge in Raub und Sklaverei (Conquistadores, Imperialismus) weder reflektiert noch integriert seien. Hannah Arendt hat schon vor bald 50 Jahren auf die Vorgänge hingewiesen, die aktuell noch drastischer im Gange sind: Der Imperialismus zersetze die politischen Räume der Gesellschaft, indem er in der Innen- und Außenpolitik Hindernisse beseitige, die die Expansion des Kapitals stören. (Hanna Arendt, 1986)

Der oben im Spiel dargelegte Unterschied im konkreten Verhalten begründet sich in der durch die Anweisungen implizit mitgesetzten Identität der Beteiligten: Kooperateure oder Gegner. In anderen Worten wird Identität hier wesentlich bestimmt durch unsere aktuelle und situative Zugehörigkeit im komplexen Geschehen des Lebens. Diese Zugehörigkeit wird erschaffen durch Anrede. So wie ich angesprochen werde durch die oder den Anderen, erfasse und verhalte ich mich in Freiheit und Wahrheit. Eine unstimmige Anrede macht keinen Sinn und wird auch kein entsprechendes Verhalten bewirken. Es kann und muss sogar als konstitutiver Faktor von wirklich ethischem Verhalten verstanden werden, dass die Anrede der Freiheit zur Wahl und der Wahrheit meiner Identität in Beziehung entspricht. (Johannes Fischer, 1983) Solange Unternehmen und soziale Gebilde (vom Paar über das Team bis zum Staat) sich unter Wettbewerb stehend definieren und die entsprechenden Differenzen über Schulden strukturieren, sprechen sie sich an als Gegner. Dass daraus nur das individuelle wie kollektive Muster der Gewinnmaximierung resultieren kann, ist – wie in dem kleinen Spiel gezeigt – offensichtlich.

Coaching im Bezug auf eine neue Auffassung von Identität

Global betrachtet lässt sich behaupten, dass die Frage nach der Zugehörigkeit in ihrem Ideal beschrieben wird durch die Menschenrechte (Generalversammlung der UNO, Dezember 1948). Diese seien hier verstanden als Ziel-Vorstellung einer optimalen Balance, die es im Spiel zu halten gilt oder in anderen Worten: im Prozess des Lebens, in dem alle und alles Sinn machen kann und soll.
„Das kreative Chaos ... ist ein künstlerischer Balanceakt zwischen unproduktivem Durcheinander und durchorganisierter Effektivität. Zur kreativsten Form findet ein System, wenn das Mass an Austausch und Beziehung .. so gross ist, dass es gerade noch bewältigt werden kann, sich also kurz vor dem Umschlagpunkt in einen chaotischen Zustand befindet. Das System muss in höchstem Mass dynamisch und instabil sein... zit.Kauffman: „Direkt am Rand des Chaos können sich die komplexesten Verhaltensweisen ereignen, die einerseits einen so hohen Ordnungsgrad aufweisen, dass die Stabilität gewährleistet ist, andererseits aber ein hohes Mass an Flexibilität und Überraschung besitzen. Genau das verstehen wir unter Komplexität.“ Komplexität ist ... nichts weiter als ein Zustand von Ordnung ganz nah am Rande des Chaos.“ (Natalie Knapp, 2013, S.139)

Damit aber verändert sich die Definition von Identität von etwas, das gegeben sei oder zu irgendeinem Zeitpunkt festgestellt werden könnte hin zu einer Auffassung, die Identität versteht als das, was stetig wird. Die Frage „Wer sind sie?“ oder „sind sie jemand?“ wird im Coaching und in jeder anderen Beratungsform von Supervision bis Organisationsentwicklung / Unternehmensberatung, das die hier dargestellten Zusammenhänge impliziert, zur Frage: „Wer werden sie gewesen sein?“.
Der zeitliche Bezugspunkt zur Beantwortung ist abhängig von der Problemstellung, kann aber auch hinsichtlich des ganzen Lebensbogens sinnvoll sein. Die grammatische Struktur der Frage mit ihrem Futur II ist zentral wichtig: Einerseits aufgrund der aktuellen neurologischen Erkenntnisse – Futur II verbindet unmittelbar das Extensions- und das Intentionssystem des Gehirns (Julius Kuhl, 2001) - und andererseits für jede Form von Ziel-Bestimmung. Sie erlaubt unserem immer auch an etablierten Normen orientierten Denken eben die Begrenzungen eines wie immer fixierbaren Gewinns sinnstiftend zu überwinden. Integrität hängt am steten Suchprozess nach dem eigenen Seins-Sinn. Das ist die Quest jedes Lebens. Delegation an äussere Werte geht nicht, „es“, d.h. das eigene Wesen, will gelebt werden im Sinn des Ganzen.

Bezogen auf die Coaching-Situation heisst das: Der/die Coachee kann heraustreten. Er oder sie kann den Akt, der mit der Beratungssituation so oder so gegeben ist, verstärkt gewichten als wirkliche Distanznahme zu der gegebenen Dynamik des Systems. Der Coach kann den Raum der Möglichkeiten eröffnen, der jenseits der bewussten oder unbewussten Systemanpassungsleistung liegt (siehe oben).
In diesem Raum vertrauen beide auf zweierlei: Zum einen darauf, dass Identität emergent ist. Oder anders gesagt, dass Identität alle Rollen und die ihnen innewohnenden Erwartungen, alle Funktionen und die ihnen zugeteilten Leistungen umfasst und darüber hinaus noch ungenutzte, unbekannte Möglichkeiten bereit hält. Statt auf die Frage von Mme de Meuron eine kausale Antwort zu suchen im Sinne von: Der oder die Coachee ist der und die und darum kann er oder sie dies und das tun – stattdessen bewegen wir uns final: Der oder die Coachee werden zu dem und dem geworden sein durch all die Möglichkeiten, die er oder sie schon erlebt, gefüllt, ausprobiert hat und zusammen mit dem Coach entdeckt haben wird. Er oder sie wird eine weitere Facette dessen entwickeln, was er oder sie als Erfüllung seines Sinns in der Welt auch noch gewesen sein wird.
In dieser Quest, diesem Entdeckungsvorgang der eigenen Identität, auf die der oder die Coachee sich einlässt, ist der Coach ebenso auf seinem Entdeckungsprozess der eigenen Identität.
Denn grundsätzlich gilt vor allem anderen, dass der Spielraum der Möglichkeiten nur dann zur vollen Wirkung kommt, wenn alle Beteiligten echt und wirklich mitspielen. Kurz gesagt ist es ein Spiel ohne Bewertung im Sinne von Gewinn und Verlieren, sozusagen ein Spiel an sich.

Unter diesen Prämissen der conditio humana et terrae gewinnt die globale Wirtschaft überall Mitspielende mit höchster Bereitschaft zu Rollenflexibilität und Antrieb in Richtung von Identität als etwas, das wird durch die aktuellen Bezüge, Entscheidungen und das konkrete Verhalten. In diesem Verständnis von Identität liegt auch eine andere Auffassung des dominium terrae (des Herrschaftsauftrags nach Genesis 1): „Machet euch die Erde untertan“ meint nämlich: Für alles Dasein stellvertretendes verantwortliches Handeln in schon „besetzten“ Lebensräumen. (G. Liedke,1984, S.23) J.L.Moreno hat in seinen Schriften von Ko-Kreation gesprochen (Jakob Levy Moreno, 1959).

Coaching im Bezug auf das Format des unendlichen Spiels

Die Illusion oder gar Täuschung, die aktuell noch befeuert wird, ist die der Kontrolle, bzw. der Steuerbarkeit von Prozessen auf der Grundlage einer antiquierten Auffassung von „Spiel“. Diese ist gekennzeichnet durch die Fixierung auf funktionale – angestrebt sind: automatisierte – Prozesse und die Vorstellung von Gewinnen und Verlieren. Die typische wirtschaftliche Sicht eines Unternehmens ist endlich: Im Vordergrund steht das Spiel der Konkurrenz: gewinnen oder verlieren. Je stärker ein Unternehmen im Markt agiert, umso höher mögen Erlöse und Gewinne sein, aber umso unbeweglicher und damit angreifbarer wird es. Endliche Unternehmen verharren oft in alten Methoden und erleben Schwierigkeiten, wenn sich die Grenzen der Märkte verschieben. Die wirtschaftlichen Zielvorgaben greifen nach immer höheren Werten, was das Denken und Handeln einschränkt. Endliche Unternehmen führen sich selbst zwangsläufig ins Abseits. In unserer Auffassung ist das Leben ein unendliches Spiel. (James P. Carse, 1987, s.a. Ralph Berndt, 2002)
Das unendliche Unternehmen bewegt sich flexibel, reagiert schnell und behände auf Veränderungen. Nicht die Grenzen des Marktes bestimmen das Handeln, sondern der Horizont der Ideen- und Gestaltungsvielfalt. Und so wie sich der Horizont beim Vorwärtsgehen immer weiter verschiebt, so eröffnen sich dem unendlichen Unternehmen ständig neue Spielräume, Märkte und Betätigungsfelder. Unendliche Unternehmen definieren die Spielregeln neu, überspringen bestehende Grenzen mit leichter Eleganz und zukunftsorientiertem Denken. Das Ziel ist nicht Gewinn um jeden Preis, sondern gesundes Wachstum, Nachhaltigkeit, das kontinuierliche Weiterspielen, eine immer wieder stattfindende Erneuerung, die ewige Geburt des Unternehmens. Ein Beispiel für die Anwendung des Konzepts im Software-Bereich ist gut beschrieben von Coldewey. (Jens Coldewey, 2013)

Die spielende Rollenflexibilität, die der Auffassung von Identität sowohl als werdender wie der grundsätzlichen Konstituierung durch Zugehörigkeit (Anrede) gerecht wird und entsprechend im Prozess des unendlichen Spiels ihren entscheidenden Beitrag zu leisten fähig ist, braucht Übungsräume. Darin geht es jedoch nicht um die allseits geforderte Flexibilität (vom lebenslangen Lernen bis zur Bereitschaft die eigene Wohnsituation dem Arbeitsangebot unterzuordnen) im Kontext des herrschenden Paradigmas von Gewinnen und Verlieren. Diese geforderte Anpassung ist u.E. dem hier gemeinten gegenüber ein Missbrauch der menschlichen Adaptionsfähigkeiten.

Um darin mitspielen zu können, braucht es eine Einstimmung. Sie besteht im wesentlichen in einer Haltung der Offenheit, die davon ausgeht, dass jede und jeder Beteiligte etwas Wichtiges beizutragen hat und nur die Gruppe als ganzes merken kann, was jetzt der nächste sinnvolle Spielzug ist. Gegenseitiges Zuhören und Aufmerksamkeit dafür sind elementare Fähigkeiten, die dabei eine Rolle spielen. Niemand weiss im Voraus, wer auf das aufmerksam wird, das zum Gelingen oder Misslingen des gemeinsamen Vorhabens führt – sei dies der Ferienplan einer Familie, die Arbeitsaufteilung eines Teams oder die strategische Entscheidung in einem Unternehmen.
Sinnvoll ist es, die Beziehungsbildung aller am Anfang eines Vorhabens zu unterstützen, um die Abstimmung zu fördern. Als gute Analogie dafür kann ein Symphonie-Orchester dienen, das sich ein- und abstimmen muss.(Natalie Knapp, 2013, S.44) Dafür notwendig sind u.a. die aus dem Psychodrama bewährten Rituale der Vor- und Nachbegleitung sowie dessen spezifische „Spiel-Techniken“, die den Prozess hin zu Sponteität und Kreativität unterstützen.

Coaching (und jede andere Beratungsform von Supervision bis Organisationsentwicklung / Unternehmensberatung), das sich in den aktuellen Herausforderungen in der Neufindung einer gerechten, ökologischen Wirtschaftsordnung unter dem hier skizzierten Paradigmen-Wechsel versteht, wird sein Angebot dahin entwickeln müssen, solche offenen Übungsräume für die werdende Identität durch Erprobung weitester Rollenmöglichkeiten in allen Bereichen zu implementieren. Tomaschek hat dazu einen guten Artikel verfasst, der die Philosophie und die konkreten Schritte von Jakob Levy Moreno, dem Begründer des Psychodramas, in Beziehung setzt zur Organisationsentwicklung. (Lisa Tomaschek-Habrina, 2014)

Die Antwort an Mme de Meuron wird nach der Beteiligung an einem solchen Übungsraum dann wohl lauten: Ich werde jemand gewesen sein, indem ich teilnahm an vielen Entdeckungen und kreativ und spontan in Begegnungen alles gegeben habe, was ich hatte. Denn es bleibt nichts, wie es ist und es bleibt einem nichts, von dem, was man zu haben glaubt. „Das Beste wäre vielleicht, wenn jedes Individuum vielen verschiedenen Gruppen angehörte, sodass kaum klare Clans erkennbar wären, die gegeneinander antreten könnten.... Wenn sich in einer besser verbundenen Welt jeder Mensch zu einer verwirrenden Vielfalt von „Teams“ zugehörig fühlen würde, wäre die Loyalitäten vielleicht zu komplex, als dass traditionelle Rivalitäten eskalieren könnten.“ (Jaron Lanier, 2014)

Carlo Capaul, Dezember 2014